Freiheitslied

Freiheitslied

Von Leopold Schwarz

Nicht länger soll die Armuth hungern,
Umringt vom reichsten Ueberfluß;
Nicht soll der mensch nach Arbeit lungern,
Umringt von Reichthum und genuß!

Nicht sollen Menschenbrüder schmachten
In Arbeitssiechthum und in Noth;
Nicht sei der Menschen Thun und Trachten
Der Kampf nur um das Stückchen Brod!

Nicht länger soll die Arbeit klagen,
Sie sei verflucht und segne nicht;
Nicht länger sei an’s Kreuz geschlagen,
Wer selbstlos für die Massen sicht!

Der Arbeit sei ihr voller segen,
Nicht diene sie zu Raub und Druck;
Dann trifft statt Noth auf allen Wegen,
Man nur der Arbeit Blüthenschmuck!

Erst dann wird sich die Freiheit gründen
Auf zuverlässig festem Grund,
Und frei die Menschen sich verbünden
Zu einem Brüderarbeitsbund!

Sonntags-Post (München, 1894, Nr. 44. Online